15. Schlaun-Wettbewerb 2026|2027 in Gelsenkirchen: „Stadteingang Gelsenkirchen“

Stadteingang Gelsenkirchen
Gelsenkirchen liegt zentral im nördlichen Ruhrgebiet und ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr. Die Stadt zählt rund 265.000 Einwohnerinnen und Einwohner und ist bis heute stark durch ihre industrielle Geschichte geprägt. Bergbau, Stahl und Produktion haben Stadtbild, Wirtschaft und Identität über Jahrzehnte bestimmt. Seit dem Rückgang von Kohle und Schwerindustrie befindet sich Gelsenkirchen in einem tiefgreifenden Strukturwandel, ohne seine Rolle als Industrie- und Produktionsstandort vollständig aufzugeben.
Eine besondere städtische Struktur ergibt sich aus der historischen Entwicklung: Gelsenkirchen und Buer wurden 1928 zu einer Stadt vereinigt. Bis heute verfügt Gelsenkirchen daher über zwei eigenständige Hauptzentren. Gegenstand des Schlaun-Wettbewerbs ist die im Stadtsüden gelegene Innenstadt rund um Hauptbahnhof, Bahnhofstraße und Hibernia-Quartier.

Für viele Besucherinnen und Besucher ist der Hauptbahnhof der erste Kontakt mit der Stadt. Doch gerade dieser Stadteingang wird seiner Bedeutung heute nur eingeschränkt gerecht. Der unmittelbare Bahnhofsausgang, das Bahnhofcenter, der Busbahnhof und die angrenzenden Platzflächen bilden keinen klar lesbaren, einladenden Stadtraum. Unterschiedliche Bauzeiten, funktionale Verkehrsanlagen, unübersichtliche Wegebeziehungen und gestalterische Brüche führen dazu, dass der Auftakt in die Innenstadt eher zufällig als repräsentativ wirkt.
Gleichzeitig liegt in unmittelbarer Nähe zur Bahnhofstraße ein großes Entwicklungspotenzial: das Hibernia-Quartier. Das Areal der früheren Zeche Hibernia wurde nach Ende des Bergbaus durch Post- und Telekommunikationsnutzungen geprägt. Diese Nutzungen werden perspektivisch reduziert oder aufgegeben. Damit eröffnet sich die Chance, ein innenstadtnahes Transformationsgebiet neu zu ordnen, bestehende gewerbliche Strukturen sinnvoll weiterzuentwickeln und neue Nutzungen wie Wohnen, Dienstleistungen, soziale Infrastruktur, Freiräume und urbane Produktion miteinander zu verbinden.
Der Wettbewerb fragt daher nach einem neuen Bild für den Stadteingang Gelsenkirchen: Wie kann aus dem heterogenen Bahnhofsumfeld ein klarer, identitätsstiftender Auftakt zur Innenstadt entstehen? Wie kann das Hibernia-Quartier zu einem gemischt genutzten, gut vernetzten Stadtbaustein werden? Und wie lassen sich Mobilität, Klimaanpassung, Freiraumqualität, Denkmalschutz und städtische Nutzungsvielfalt zu einem überzeugenden Gesamtkonzept verbinden?




Aufgabe Architektur
Im Mittelpunkt der architektonischen Aufgabe steht das Bahnhofcenter mit seinem unmittelbaren Umfeld. Der Gebäudekomplex erfüllt seine ursprüngliche Rolle als verbindendes Element zwischen Bahnhof und Innenstadt nur noch eingeschränkt. Gefragt ist eine bauliche Strategie, die Umbau, Teilrückbau oder Neubau einschließen kann.
Ziel ist ein offener, durchlässiger und stadträumlich wirksamer Baustein, der den Bahnhof als Ankunftsort stärkt und zugleich Handels-, Dienstleistungs-, Praxis-, Büro- und Gastronomienutzungen zukunftsfähig organisiert. Die Schnittstellen zu Busbahnhof, Stadtbahn, Bahnhofsvorplatz, Bahnhofstraße und öffentlichem Raum sind neu zu definieren. Nachhaltigkeitsaspekte wie Ressourcenschonung, graue Energie, Energieeffizienz und Klimaanpassung sind bei der Wahl zwischen Bestandserhalt und Neubau nachvollziehbar zu berücksichtigen.



Aufgabe Bauingenieurwesen
Die ingenieurtechnische Aufgabe widmet sich der Verlängerung des Alma-Radwegs. Die heutige Alma-Trasse verläuft auf einer ehemaligen Zechenbahntrasse und bindet an das regionale Bahntrassenradwegenetz an. Derzeit endet sie jedoch sackgassenartig an der Ückendorfer Straße und ist nicht direkt mit Innenstadt und Hauptbahnhof verbunden.
Gesucht wird eine sichere, attraktive und technisch realisierbare Rad- und Fußwegeverbindung zwischen Ückendorfer Straße und Hauptbahnhof beziehungsweise Wickingstraße. Dazu sind Trassenführung, Höhenentwicklung, Rampen, Querungen und notwendige Ingenieurbauwerke zu entwickeln. Insbesondere die vorhandene oder neu zu errichtende Brücke über die Ückendorfer Straße sowie Anschlussbauwerke in Richtung Innenstadt sind konstruktiv und gestalterisch zu bearbeiten. Der neue Radweg soll nicht nur eine Verkehrslücke schließen, sondern als weiterer Stadteingang und Verknüpfungspunkt zwischen regionalem Radverkehr und Gelsenkirchener City verstanden werden.


